Das 3-Ebenen-System
Um Schäden im Anschlussbereich zu vermeiden, muss die Einbindung von Fenstern und Außentüren in die Gebäudehülle geplant werden.Die grundsätzlichen bauphysikalischen Anforderungen werden in zwei getrennten Funktionsebenen erfüllt, die Funktionen im dazwischenliegenden Bereich zusammengefasst und in technische Eigenschaften umgesetzt. Diese einzelnen Ebenen und der Bereich müssen in der Konstruktion klar definiert werden und ausführbar sein.
Zum besseren Verständnis, welcher grundsätzliche Aufbau im Bereich Fenster - Fuge - Wand zu beachten ist, eignet sich nachfolgend dargestelltes Ebenenmodell.
Ebene 1 (Wetterschutzebene):Sie muss winddicht und schlagregensicher, aber dampfdiffusionsoffener als die Abdichtung auf der Innenseite ausgeführt werden.
Ebene 2 (Funktionsebene):
Diese liegt zwischen der äußeren und der inneren Abdichtung und dient zur Herstellung der Schall- und Wärmedämmung im Anschlussbereich. Sie sollte vollständig ausgefüllt werden.
Der Funktionsbereich muss "trocken bleiben" und vom Raumklima getrennt sein.
Ebene 3 (Innere Ebene):
Sie muss luftdicht sein und einen höheren Dampfdruckwiderstand aufweisen als die Abdichtung auf der Außenseite. Sie trennt das Raumklima vom Außenklima.
Als Faustformel gilt: "Innen dichter als außen!"
Mit der Erfüllung der bauphysikalischen Anforderungen an den Anschlussbereich sind wesentliche Voraussetzungen geschaffen,
- die dem Nutzer ein angenehmes und gesundes Raumklima ermöglichen,
- die Baukonstruktion vor klimabedingten Schäden schützt und
- den Energieverbrauch mindern.
Wesentliches Kriterium ist dabei auch die Dauerhaftigkeit. Maßgeblich hierfür sind der Einsatz geeigneter Materialien und deren fachgerechte Verarbeitung.
Diese Anforderungen entsprechen dem derzeitigen Stand der Technik, unabhängig davon, ob eine RAL-gütegesicherte Montage (also mit Qualitätskontrolle mit RAL-Gütezeichen) vereinbart wurde.
Was verlangt die Energieeinsparverordnung?
Gebäude müssen dem Stand der Technik entsprechend dauerhaft luftundurchlässig sein. Dazu wird auf die DIN 4108-7 verwiesen, die hierzu Planungs- und Ausführungsempfehlungen, sowie Beispiele enthält. Die Luftundurchlässigkeit wird durch das Differenzdruckverfahren (Blower-Door-Test) mit 50 Pa Über- bzw. Unterdruck nachgewiesen.
Warum ist das so?
In Wohn- und Arbeitsräumen entsteht Feuchtigkeit, die bestrebt ist, in die Außenluft zu gelangen. Dieser Vorgang darf nicht über die Fensteranschlussfuge, sondern muss über einen kontrollierten Luftaustausch erfolgen. Dringt die feuchtigkeitsbelastete Luft in die Fuge ein, kann sie abkühlen und als Tauwasser den Anschlussbereich schädigen oder die Wärmedämmung reduzieren. deshalb müssen Anschlussfugen ausreichend, das heißt dem Stand der Technik entsprechend sach- und fachgerecht abgedichtet werden.
Was ist der Stand der Technik?
Der Stand der Technik wird im Bundesanzeiger veröffentlicht. Wissenschaft und Praxis formulieren technisch machbare Regeln. Beispiele dafür sind die VOB, RAL und DIN-Normen, die bisher auf Vertragsebene oder stillschweigend als Basis für die Ausführung von Arbeiten betrachtet wurden.
Der Gesetzgeber hat nun durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) die vorhandenen, aktuellen Regeln zum Gesetz werden lassen.
Bei der Ausbildung der Fensteranschlussfuge wird nun auf das Vermeiden von Wärmebrücken besonderer Wert gelegt. Hier ist das Prinzip "innen dichter als außen" seit Jahren anerkannt.
Dabei handelt es sich nicht um ein enzelnes Abdichtungprodukt oder eine einzelne Abdichtungsebene, sondern um eine von vornherein in der Planung berücksichtigte Abdichtung in mehreren Stufen, die dazu führt, dass sich ein Dampfdruckgefälle von innen nach außen bildet.
Durch das Zusammenspiel beider Abdichtungsebenen kann über Fehlstellen, in die Fuge eingedrungene Feuchtigkeit nach außen abdiffundieren. Bei Einhaltung dieses Prinzips werden teure Sanierungsarbeiten durch Feuchteschäden und ein Wertverlust des Gebäudes verhindert.